Als ältestes künstlerisches
Ensemble der TU Dresden feiert der Universitätschor Dresden im Jahr 2010 sein
60-jähriges Jubiläum. Seit
seiner Gründung im Zuge des Wiederaufbaus der Technischen Hochschule Dresden
nach dem zweiten Weltkrieg sangen Generationen von Studierenden in den Reihen
des Chores.
Die Geschichte des Universitätschores
Dresden
Die
Wurzeln des Universitätschores Dresden liegen im Jahre 1950. Er ging aus dem
Chor der Arbeiter- und Bauernfakultät (ABF) hervor, die der Technischen Hochschule
(TH) Dresden angegliedert war. Dabei war er Bestandteil eines zentralen
Kulturensembles, dem auch ein Orchester, eine Tanzgruppe und eine
Laienspielgruppe angehörten. Aufgrund von massiven Umstrukturierungen der ABF –
ganze Teile wurden in andere Städte verlegt – fiel das Ensemble 1952
auseinander, gründete sich jedoch aus dem verbliebenen Kern im Jahre 1953 neu
und trug fortan den Namen "FDJ-Volkskunstensemble der TH Dresden".
Mit fortschreitender Zeit richteten sich die einzelnen Gruppen des Ensembles
mehr und mehr individuell aus, so dass sie sich im Jahre 1961 wieder
voneinander trennten. Seitdem musizierten die Sängerinnen und Sänger unter dem
Namen "Chor der TH Dresden". Nach der Wende im Jahre 1989 nahm der
Chor den Status eines an der Technischen Universität Dresden angesiedelten
eingetragenen Vereins an. Als solcher arbeitet er noch heute.
Chorleiter und musikalische
Schwerpunkte
In seiner
sechzigjährigen Geschichte stand der Chor unter dem Dirigat einer ganzen Reihe
von künstlerischen Leitern. Die meisten begleiteten den Chor nur für einige
Jahre, doch besonders zwei Chorleiter prägten ihn jahrzehntelang.
Die 50er Jahre
Kurz nach seiner Gründung begann für
das Ensemble die Vorbereitung auf die III. Weltfestspiele 1951. Für dieses
Projekt wurde für den Chor ein professioneller Leiter, Gerd Bielig, damals
musikalischer Leiter des Landessenders Dresden, engagiert. Die Einstudierung
der Tanzgruppe übernahm Lilo Wolf. Das gemeinsame Großprojekt wurde unter dem
Titel „Die Kurve steigt“ in Leipzig und Berlin aufgeführt.
Nach den Weltfestspielen musste sich der
Chor um einen neuen Leiter kümmern. Eginhard Röhlig, Kapellmeisterstudent an
der Musikhochschule Dresden, übernahm diese Aufgabe. Nach ihm kam Bert Augustin
Dahmen. Unter seiner Leitung erlebte der Chor seinen ersten Choraustausch. Das
war im Jahre 1956 mit dem Chor der Prager Universität.
Werner Matschke leitete den Chor dann
von 1962 bis 1964. Er ist heute noch vielen als langjähriger Leiter des Bergsteigerchores
„Kurt Schlosser“ beziehungsweise als ehemaliger Direktor des Dresdner
Kulturpalastes bekannt. Unter seinem Dirigat gewann der Chor schnell
überregional an Bedeutung, und die Universitätskonzerte im Steinsaal des
Hygienemuseums bekamen beste Kritiken.
Karl Haffner
Im
Jahre 1965 übernahm der damalige Leiter des Chores des Stahl- und Walzwerkes
Riesa, Karl Haffner, den Klangkörper. Dies sollte eigentlich nur übergangsweise
geschehen, doch tatsächlich wurden daraus fast 30 Jahre. Der heutige
stellvertretende Chordirektor der Semperoper Dresden, Christof Bauer,
begleitete Karl Haffner dabei über viele Jahre als Chorassistent. Beide prägten
den Chor nachhaltig und gaben ihm ein sehr breit gefächertes Profil: Zum einen
wurden verschiedene Werke zeitgenössischer Komponisten (teilweise als Uraufführung)
im Rahmen festlicher Anlässe wie beispielsweise den Jahrestagen der
Oktoberrevolution oder der Republik, Universitätsfesttagen oder den
Arbeiterfestspielen aufgeführt (Lenin
Requiem von Hanns Eisler, 1967, Sinfonische Demonstration Wir unaufhaltsam von Günter Kochan,
1971, Geht sorgsam um mit Euren Träumen
von Peter Gotthardt, UA 1981). Im Rahmen dieser Festspiele wurde der Chor mehrfach
mit einer Goldmedaille ausgezeichnet.
Zum
anderen standen Werke traditioneller Komponisten wie die Jahreszeiten von Joseph Haydn, Ludwig van Beethovens 9. Sinfonie, das Requiem von Wolfgang Amadeus Mozart sowie die Carmina Burana von Carl Orff auf dem Programm, zum Teil jedoch erst
nach Überwindung erheblichen politischen Widerstandes.
Daneben
gehörte ein umfangreiches A-cappella-Programm zum Repertoire des Chores, aus
dem Konzerte bei kleinen Auftritten im Freien, auf Jugendweihen oder Universitäts-
und Immatrikulationsfeiern gesungen wurden. Intensive
Kontakte pflegten die Sängerinnen und Sänger mit dem Ausland: Reisen führten
den Chor beispielsweise in die damalige Sowjetunion (Leningrad, Tallin, Tartu),
nach Ungarn, Polen oder in die ehemalige Tschechoslowakei (Prag). Ein erstes
Konzert in den alten Bundesländern fand im Jahre 1990 mit dem Umwelt-Oratorium Mater Terra von Rainer Hrasky in Hof
statt.
Maja Sequeira
Im
Jahre 1990 übernahm Maja Sequeira (damals Liebmann) die Chorassistenz und löste
schließlich 1993 Karl Haffner in der Leitung des Chores ab. Die in Dresden geborene Chorleiterin
gab dem Chor in der Folgezeit ein inhaltlich neues Profil, in dem sie mehr und
mehr eher selten gespielte Chorsinfonik oder A-cappella-Programme spezieller
inhaltlicher oder stilistischer Ausrichtung in das Programm aufnahm. Dadurch
positionierte sie den Chor in der Dresdner Chorlandschaft neu. So erklangen
u.a. die Oratorien Theodora von Georg
Friedrich Händel, Die Befreiung von
Jerusalem von Maximilian Stadler, Das
Weltgericht von Friedrich Schneider, The
Light In The Wilderness von Dave Brubeck, Das dunkle Reich von Hans Pfitzner, die Herbstfeier von Gerhard Frommel oder die Weihnachtskantate Hodie von Ralph Vaughn Williams. A cappella standen ein Liebeslieder-,
zwei Volkslieder- ein Madrigal- und diverse Weihnachtsliederprogramme sowie ein
spanisch-südamerikanischer Abend (mit Werken von Heitor Villa-Lobos u.a.) auf
dem Programm.
Gegenwart
Nach wie vor ist der Universitätschor regelmäßig
zu Gast auf den Dresdner Musikfestspielen. Schon unter Karl Haffner gestaltete
der Chor das traditionelle Treppensingen auf der Brühlschen Terrasse im Rahmen
von „Dresden singt und musiziert“ mit. In der jüngeren Vergangenheit war der
Chor auf diesem Festival z.B. 2004 unter der Leitung von Kurt Masur mit der
sinfonischen Dichtung Psyché von César Franck in der Semperoper zu
hören. Ebenso erklang 2008 die Deutschlandpremiere von Terry Rileys Sun
Rings zusammen mit dem Kronos Quartett (San Francisco).
Unter Maja Sequeiras Leitung begann
sich das Kammerensemble als Projektchor neu zu etablieren. Es spezialisierte
sich auf die Darbietung anspruchsvoller, heute kaum noch aufgeführter Werke des
Barocks und auf das szenisch-musikalische Spiel. So erklangen z.B. von Gottlob
Harrer die Missa D-Dur, von Georg
Friedrich Händel die Oratorien Esther und Jephtha, von Jan Dismas Zelenka das Totenoffizium und Requiem für das Begräbnis August des Starken und von Carl Heinrich
Graun das Weihnachtsoratorium. Die
Mitglieder des Kammerensembles waren in szenischen Programmen bei der
Aufführung von Dido and Aeneas (Henry Purcell) während des Lausitzer
Opernsommers, in der Oper Amahl und die nächtlichen Besucher (Gian-Carlo
Menotti) und 2006, 2007 und 2009 mit dem szenischen Madrigalprogramm Das Rad der Fortuna zu erleben.
Auf Konzertreisen innerhalb
Deutschlands und auf in- und ausländischen Wettbewerben stellte der Chor unter
Leitung von Maja Sequeira sein Können unter Beweis und errang auf
Chorwettbewerben in Barcelona, Rom und Riva del Garda Gold- und Silbermedaillen
in seiner Kategorie. Auf dem 4. Sächsischen Chorwettbewerb 2005 belegte der
Chor in seiner Kategorie den ersten Platz. Darüber hinaus wurde Maja Sequeira im
Jahre 1996 beim III. Internationalen Chorfestival "Orlando di Lasso"
in Rom für hervorragende künstlerische Leistungen mit dem Dirigentenpreis
ausgezeichnet.
Schließlich steht der Chor der Universität
auch weiterhin für die Ausgestaltung feierlicher Anlässe zur Verfügung.